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G 11.015 CoverGiuseppe Porsile (1680–1750)
Posa sopra d’un faggio

Kantate für Sopran, Altblockflöte und Basso continuo
Herausgegeben von Franz Müller-Busch
Generalbassaussetzung von Eckhart Kuper

Girolamo G 11.015, Partitur und 3 Stimmen, € 19,00
ISMN 979-0-50084-063-3

Beispielseite

G 11.014 G 12.001



 


Vorwort

Giuseppe Porsile wurde am 5. Mai 1680 in Neapel geboren, wo er in einer Musikerfamilie aufwuchs und seine Ausbildung am dortigen Konservatorium erhielt. Bereits 1695 wurde Porsile jedoch nach Barcelona berufen, um die Hofkapelle Karls II. zu leiten. Mit dem Tod Karls II. im Jahre 1700 begannen die Streitigkeiten und der Krieg um die spanische Erbfolge, die auch 1703 mit der Ausrufung von Karl III. zum spanischen König nicht beendet waren, sondern im Gegenteil noch an Schärfe zunahmen. Porsile blieb während dieser Zeit am Hofe in Barcelona. 1711 wurde Karl III. in Wien als Karl VI. zum heiligen römischen Kaiser gekrönt. Porsile folgte Karl VI. noch im selben Jahr nach Wien und verbrachte dort die 39 Jahre bis zu seinem Tode am 29. Mai 1750 am Habsburger Kaiserhof.

Zusammen mit Johann Joseph Fux (1660–1741) und Antonio Caldara (ca. 1671–1736) nahm Porsile in Wien wichtige Positionen im Musikleben des Hofes ein. Er komponierte etwa 20 Opern und 13 Oratorien, dazu eine beträchtliche Zahl an Kantaten sowie Instrumentalmusik. Zudem war er Gesangslehrer der Kaiserin Elisabetta Cristina und deren Töchter Maria Josepha und Maria Amalia.

Nur wenige seiner Opern und Oratorien wurden außerhalb Wiens aufgeführt. Im Gegensatz dazu sind Abschriften seiner Kantaten in Belgien, Deutschland, England, Italien und Ungarn erhalten, was auf eine große Beliebtheit dieser Werke hindeutet. Geschätzt wurde er ebenfalls für seine ausdrucksstarken und leidenschaftlichen Arien sowie die kontrapunktische Anlage seiner Kompositionen. Hierdurch wurde er zum einzigen Vertreter der Neapolitanischen Schule, der sich am Habsburger Hof behaupten konnte.

Die vorliegende Kantate Posa sopra d'un faggio entstammt einem Manuskriptband mit der Signatur "Manuscript 1577a", der in der Liszt Ferenc Zeneakadémia in Budapest, Ungarn, aufbewahrt wird. Der ca. 1840 angefertigte Band trägt den Titel "Cantate / per una voca / del Singnore Giuseppe Porsile" und stammt ursprünglich aus der Singschule des Gesangsvereins von Ofen-Buda. Er enthält insgesamt 28 Kantaten. Die Kantate selbst ist überschrieben "Cantata. 26. à Flauto solo." und weist keinen Komponistennamen auf.

Unsere Erstausgabe der Kantate folgt weitestgehend der Quelle, lediglich die Akzidentiensetzung und Eigenheiten der Schreibweise des italienischen Textes wurden in die heute übliche Form gebracht. Alle Ergänzungen des Herausgebers sind in der Partitur als solche kenntlich gemacht.

Celle, im Juni 2015, Franz Müller-Busch

 

Recitativo 1

Posa sopra d'un faggio
lieta la tortorella
e in suo linguaggio
al dolce sposo suo d'amor favella.
Favella anche d'amor la su l'erbetta
quell' amante agnelletta
al suo diletto.
Pur se vuol cruda sorte
o ria magia che da lor
si allontani il caro oggetto,
meste si lagnan
del fatal destino,
né per girar de giorni
si scema in loro
il gran desio ch'ei torni.

Aria 1

Al belar d'ogn' altro agnello
l'agnelletta si rammenta
il suo caro e'l crede quello,
ma s'inganna e s'addolora.

E la tortora che mira
gir volando ogn'altro augello,
prima osserva se sia quello
poi sospira e più s'accora.

Recitativo 2

Nice già udisti e credo ben che pensi
che ciò che muove il core dell'agnelletta
e della tortorella sia un effetto d'amor
e non è amore.
Questo è un premio maggiore
che al cor più fiero spesso
da natura è concesso
sia merto qualità
sia ciò che sia
costanza o simpatia
tra sorte tal che ogn'ora
se ne rammenta chi un sol dí l'adora.

Aria 2

Sotto la fredda neve
la terra ancor sospira
del sole il vivo ardor
che la fa germogliar.

E mentre che'l riceve,
sgombrare si rimira
tutto il gelato umor
e l'erbe poi spuntar.

Recitativo 1

Fröhlich lässt sich die Turteltaube
auf einer Buche nieder,
und in ihrer Sprache redet sie
von Liebe zu ihrem süßen Gemahl.
Auch das Schäflein
spricht im Gras
von Liebe zu ihrem Geliebten.
Doch wenn das bittere Schicksal
oder ein böser Zauber verlangen,
dass das geliebte Wesen
sich von ihnen trennt,
so beklagen sie das Unglück
und es vergeht Tag für Tag,
ohne dass die große Sehnsucht
nach seiner Rückkehr verblasst.

Aria 1

Bei jedem Blöken eines Böckchens
denkt das Schäflein an ihren Liebsten
und glaubt, er wäre es,
doch irrt es sich und leidet.

Und die Turteltaube schaut
im Flug nach jedem Vogel,
suchend ob er es sei,
doch dann seufzt sie und ist zutiefst betrübt.

Recitativo 2

Nike, du hast dies gehört, und ich glaube
du denkst, das Herz des Schäfleins
und der Turteltaube
würden von Verliebtheit bewegt
und es sei keine Liebe.
Dies ist jedoch ein großer Gewinn,
der von der Natur häufig
dem stolzesten Herzen geschenkt wird,
sei es aus Verdienst,
sei es aus Treue oder Zuneigung.
Solches vergisst das Herz niemals,
und wenn es nur einen Tag lang geliebt hat.

Aria 2

Noch sehnt sich die Erde
unter dem kalten Schnee
nach der Sonne, deren Wärme
die Pflanzen erblühen lässt.

Und während die Erde die Wärme empfängt,
bewundert sie an sich selbst
das Schwinden aller Kälte
und das Wachsen der Gräser.

Übersetzung: Maria-Luigia Wigand / Franz Müller-Busch

 

 

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