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G 21.009 CoverFrancesco Barsanti (ca. 1690–1775)
Old Scots Tunes

für Violine (Blockflöte in c, Querflöte, Oboe) und B.c.
Herausgegeben von Franz Müller-Busch
Generalbassaussetzung von Yo Hirano

Girolamo G 21.009, Partitur und 2 Spielpartituren, € 14,80
ISMN 979-0-50084-082-4

Beispielseite Partitur

Beispielseite Spielpartitur

G 21.008 G 22.001

 



Vorwort

Zwar kennen Blockflötisten den Namen Francesco Barsanti und schätzen seine 1724 in London erschienenen hochkarätigen sechs Sonaten op. 1 für Blockflöte und B.c., den meisten anderen Musikern und Kennern der Barockmusik dagegen dürften sein Name und sein Werk weitgehend unbekannt sein. Dies mag daran liegen, dass Barsanti – obgleich er als vielseitiger und fähiger Komponist, Instrumentallehrer, Instrumentalist und Kopist gewiss in der Lage gewesen wäre, größere Bekanntheit zu erlangen – das Rampenlicht eher scheute.

Nur wenige Daten sind über das Leben Francesco Barsantis nachweislich bekannt. Dank neuerer Untersuchungen von Jasmin Cameron und Michael Talbot1 konnten seinem Lebenslauf über die historische Quelle von John Hawkins2 hinaus aber Fakten und auf Indizien basierende Vermutungen hinzugefügt werden.

Francesco Maria Barsanti wurde ca. 1690 in Lucca geboren und studierte ohne Immatrikulation zunächst Jura an der Universität Padua. Danach bildete er sich zum Flötisten (vermutlich Block- und Traversflöte) und zum Oboisten aus. 1724 ging Barsanti dem in England bestehenden Bedarf an italienischen Musikern folgend nach London. Hier war er als Instrumental- und Kompositionslehrer für verschiedene hochgestellte Persönlichkeiten tätig und erlangte später auch als Komponist hohes Ansehen. Möglicherweise spielte er in diesen Jahren als Aushilfe im Orchester der Italienischen Oper. 1735–1743 lebte Barsanti in Edinburgh, wo 1742 sein hier vorgelegtes Werk im Druck erschien, das den Titel trägt:

A / COLLECTION / OF / OLD SCOTS TUNES /
With the Bass / FOR / VIOLONCELLO or HARPSICHORD: /
Set and most humbly Dedicated, to /
THE RIGHT HONOURABLE / THE LADY ERSKINE, /
BY / FRANCIS BARSANTI. / EDINBURGH, /
Printed by ALEXANDER BAILLIE & sold by
Messrs HAMILTON & KINCAID. / Price 2 sh:6

1743 kehrte Barsanti nach London zurück, wo er u.a. als Kopist Händels arbeitete. Danach hielt er sich möglicherweise einige Jahre in Holland auf und ist ab 1750 wieder in London nachweisbar. Ab seinem 70. Lebensjahr reduzierte Barsanti seine musikalischen Tätigkeiten zunehmend. 1772 erlitt er einen Schlaganfall und starb am 30. April 1775 in London.

Im Vorwort zu den Old Scots Tunes schreibt Barsanti:
In etlichen alten schottischen Melodien habe ich eine Eleganz und Vielfalt der Harmonie gefunden, die den Kompositionen der gefeiertsten Meistern jener Zeit in nichts nachstehen. Auf Wunsch einiger gebildeter Gentlemen machte ich mich daran, jenen alten Kompositionen gerecht zu werden und jedem Lied einen passenden und natürlichen Bass hinzuzufügen, wobei ich aufs Genaueste die Melodie beachtete und keinerlei Veränderungen vornahm, um sie dem Bass anzupassen. […]

Welche Vorlagen Barsanti für diese Arbeit verwendete, wird wohl nicht mehr zu klären sein. In W. Thomsons 1733 erschienenem Orpheus Caledonius3 sind immerhin 21 der von Barsanti ausgewählten 30 Lieder enthalten. Allerdings gibt es hinsichtlich der Rhythmisierung und den Verzierungen erhebliche Abweichungen, selbst die Melodieverläufe weisen häufig Unterschiede auf. Ein ähnliches Bild ergibt sich im Vergleich mit anderen Publikationen schottischer Musik aus den Jahren vor 1742. Dies legt die Vermutung nahe, dass Barsanti als Vorlage keine schriftlichen Quellen verwendete, sondern sich die Melodien von einem schottischen Musiker vorspielen ließ und dessen Fassung als Grundlage für seine eigene Arbeit verwendete. Im nächsten Schritt fügte er dann seine einfühlsame und an manchen Stellen kontrapunktisch gearbeitete Generalbassbegleitung hinzu, die an Kunstfertigkeit ihresgleichen sucht. Es sei erwähnt, dass diese Sätze in vielen späteren Publikationen teils leicht verändert Aufnahme fanden, ohne Barsanti als Urheber zu nennen.

Angaben zur Besetzung des Melodieinstruments macht Barsanti nicht. Aufgrund des in zwei Stücken erreichten h° bzw. liegt es jedoch nahe, dass er die Violine bevorzugte. Da 28 Stücke c1 nicht unterschreiten, sind sie auf c-Blockflöten, Oboen und modernen Querflöten allerdings ebenso spielbar. In 25 Stücken ist d1 der tiefste Ton, weshalb hier auch die Traversflöte verwendet werden kann.

Im Internet sind zwei Scans des Baillie-Drucks von 1742 zum Download verfügbar. Der tatsächliche Aufenthaltsort des in der IMSLP hinterlegten Exemplars4 wird nicht genannt. Hier fehlt die letzte Notenseite mit den Nummern 29 und 30. Dem Exemplar der Glen-Collection in der National Library of Scotland, Edinburgh,5 fehlt dagegen das Vorwort. Beide ansonsten identischen Quellen wurden für die vorliegende Neuausgabe verwendet. Zusätze des Herausgebers sind kenntlich gemacht. Der Revisionsbericht listet notwendige Fehlerkorrekturen auf. Lediglich verrutschte Bindebögen und fehlende Fähnchen an Vorhaltsnoten wurden stillschweigend korrigiert. Die Generalbassaussetzung von Yo Hirano möge den im Generalbassspiel auf Tasteninstrumenten weniger versierten Begleitern dienlich sein.

Für Verzierungen verwendet Barsanti die üblichen Zeichen für Triller und Mordent, sowie selten das englische Zeichen =, ebenfalls für Triller. Vorhalte und Nachschläge notiert Barsanti normalerweise aus, jedoch findet sich auch die aufwärts gerichtete Linie für zwei Vorhaltsnoten von unten. Vorhaltsnoten sollten aus harmonischen Gründen in den meisten Fällen auf den Schlag gespielt werden.

Celle, im August 2021, Franz Müller-Busch

 

1 Cameron, Jasmin, und Michael Talbot: A Many-Sided Musician: The Life of Francesco Barsanti (c. 1690–1775) Revisited. In: Recercare Bd. 25, Nr. 1/2, 2013, S. 95–154

2 Hawkins, John: A general history of the science and practice of music, London 1776, Bd. V, S. 371–372

3 Thomson, Willam: Orpheus Caledonius, Bd. I und II, London 1733 – https://digital.nls.uk/special-collections-of-printed-music/archive/91519908

4 https://ks4.imslp.info/files/imglnks/usimg/b/b0/IMSLP94625-PMLP194938-Barsanti_A_Collection_of_Old_Scots_Tunes.pdf

5 https://digital.nls.uk/special-collections-of-printed-music/archive/102744454

Inhalt:

1 – Dumbarton's Drums 16 – Fife and all the Lands about it
2 – Kat Oggie 17 – Peggy I must love thee
3 – Ettrick Banks 18 – Logan water
4 – Lochaber 19 – Pinkie House
5 – The Lass of Peatie's mill 20 – The Sutours of Selkirk
6 – The Highland Laddie 21 – Cromlet's Lilt
7 – Busk ye busk ye my bonny bride 22 – Bonny Jean
8 – The last time I came o'er the moor 23 – Thro' the Wood Laddie
9 – Corn riggs are bonny 24 – Clout the Caldron
10 – Waly Waly 25 – O dear Mother, what shall I do
11 – Johnny Faa 26 – Broom of Corvden knons
12 – Lord Aboyne's welcome or Cumbernauld house 27 – Where Helen lies
13 – The Bush aboon Traquair 28 – The bonny Earl of Murray
14 – To danton me 29 – Gilderoy
15 – The Birks of Envermay 30 – The Mill Mill_O

 

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